Kloster Sucevita
Sucevita ist aus chronologischer Sicht das neueste und größte Klosterensemble unter den bemalten Klöstern der Bukowina, da sie die Erscheinung einer echten Festung hat, mit Türmen, Stützen und Ausschauwegen. Sie wurde im Jahre 1581 von Gheorghe Movila, Bischof von Radauti errichtet, und bei Mariae Himmelfahrt im Jahre 1584 geweiht. Der Fürst Ieremia Movila, Bruder von Gheorghe Movila fügte der Kirche zwei offene Vordächer hinzu (zum Norden und zum Süden); er baute auch massive Häuser, dicke Umrissmauern und Verteidigungstürme. Die Legende sagt, dass eine alte Frau dort dreißig Jahre lang gearbeitet hat, und mit ihrem Ochsenwagen Steine für den Bau des Klosters getragen hat. Das ist der Grund warum ein Frauenkopf auf einem schwarzen Stein im Klostergarten eingemeißelt ist.
Die Festungsstruktur des Standortes hatte eine Verteidigungsrolle; sie schützte eigentlich die Freskenbilder (angefertigt 1595-1596) vor den schweren Beschädigungen, die bei Fresken anderer Klöster vorkamen.
Die Bilder von Sucevita wurden sowohl an der Außenseite als auch an der Innenseite bestens erhalten.
Die Fresken wurden in purpurrot und blau auf einem smaragdgrünen Hintergrund gemalt. Es gibt auch viel Goldfarbe, entnommen aus der Kunst der Miniaturen. Diese gehörten zu den rumänischen Spezialisten der moldauischen Malschule - Ioan der Maler und sein Bruder Sofronie von Suceava. Sie haben einen starken Erzählungscharakter und viele von ihren stellen Szenen aus dem täglichen Leben des 16 Jh. in der Moldau dar.
Die herausragendsten Bilder sind die Tugendsäule, wo Engel dargestellt werden, die beim Eingang zum Paradies assistieren, während die Sünder von einem grinsenden Teufel bestraft werden, und das Jüngste Gericht, ein unvollendetes Kunstwerk, da sein Maler vom Baugerüst fiel und starb. Letzterer beinhaltet Szenen mit den traditionellen Feinde der Rumänen, den Türken, die sich für das Jüngste Gericht vorbereiten, zusammen mit den Juden, die ebenfalls als ungläubige gelten. Außerhalb des Vorraumes, ist eine schreckliche Vision der Apokalypse zu sehen, die von zweiköpfigen wilden Tieren und den traditionellen Flüssen aus Feuer dargestellt werden. Auf der Südseite ist ein bemerkenswertes Bild von dem Baum von Jesse, in dem sowohl der menschliche Ursprung Jesus unter der Form Seines Familienbaumes dargestellt wird, als auch Seine göttliche Herrschaft, da die Szene der Anbetung der Heiligen Maria auch daneben gemalt ist. In theologischer Hinsicht ist der Baum Jesse ein Symbol für die Kontinuität zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, sowie auch für die Worte vor und nach der Auferstehung von Jesus. Der Baum von Sucevita ist eine entwickeltere Version als die bei Voronet dargestellten gleiche Szene. Die Krönung der Jungfrau, ein für die byzantinische Kunst nicht übliches Thema, ist ein Beispiel für den polnischen Einfluss in der Moldau (auch aufgrund der engen Beziehungen der Famile Movila mit Polen); sie kann auch mit der synkretischen Vision in Zusammenhang gebracht werden, die die westlichen und die byzantinische Kunstformen zusammenbringt. Andere wichtige Bilder in Sucevita sind die Belagerung von Konstantinopel (1453), und eine Szene, die die ersten zwei Verse der Genesis darstellt. Die Belagerung von Konstantinopel beweist die große Auswirkung, die dieses geschichtliche Ereignis auf der östlichen Zivilisation und Kultur hatte; es gibt einem ein Verständnis darüber, wie die Belagerung aufgenommen und mehr als hundert Jahre danach künstlerisch wiedergegeben wurde.
Die ersten Verse schildern die göttliche Anwesenheit in den ersten Momenten der Existenz, als Gott angefangen hat, die Welt zu erschaffen.
Im Hauptschiff auf der rechten Wand, kann man das verblasste Votivbild von Elisabeta, Ieremias Frau zusammen mit ihren Kindern sehen. Als Witwe, sass sie sie nie auf dem Thron, da sie in einem Harem des Sultans, weit weg von ihrem Land starb. Ieremia und sein Bruder Gheorghe sind nahegelegen begraben.
Das Klostermuseum beinhaltet kostbare Gegenstände, darunter auch Manuskripten und Stickereien gestiftet von der Familie Movila. Wichtige Restaurierungsarbeiten wurden zwischen 1960 und 1970 durchgeführt.